Therapiekonzept

Gespräch in der psychosomatischen Therapie

Kultursensibles Therapiekonzept

Ausländische Mitbürger finden in Deutschland oft nur schwer eine geeignete psychosomatische Therapie. Manchmal finden Sie nicht den richtigen Arzt. Manchmal verstehen Sie den Arzt nicht richtig. Und manchmal versteht der Arzt die Patienten nicht. Gründe dafür sind zum Beispiel Sprachbarrieren. Oftmals existiert in der Muttersprache der Betroffenen nämlich gar kein Wort für eine bestimmte Krankheit. Die Patienten nutzen daher häufig Begriffe und Umschreibungen, die der Arzt nicht kennt. Ähnlich verhält es sich bei kulturellen Unterschieden. Denken wir z. B. an Essgewohnheiten, bestimmten Verhaltensweisen oder den anderen Umgang von Männern und Frauen untereinander.

In der MEDICLIN Klinik am Vogelsang in Donaueschingen berücksichtigen wir diese Besonderheiten bei der psychosomatischen Therapie. Unsere Ärzte und Therapeuten sprechen nicht nur deutsch, sondern auch die Muttersprache unserer türkischen und kurdischen Patienten. Wir stammen aus der gleichen Kultur und verstehen, wie sich unsere Patienten fühlen. Wir kennen die Umschreibungen für bestimmte Krankheiten und wissen, wie wir helfen können. Unser kultursensibles Therapiekonzept berücksichtigt unter anderem die Besonderheiten im Tagesablauf, das richtige Essen sowie die gemeinsame Cay-Zeremonie.

Unsere Mission

Wir wollen unseren Patienten ein sicheres Umfeld für ihre psychosomatische Therapie geben. Die Betroffenen sollen sich verstanden und gut aufgehoben fühlen. Wir verstehen und respektieren ihre Ängste, Vorbehalte und kulturellen Besonderheiten. Somit schaffen wir eine vertrauensvolle Basis für einen gemeinsamen therapeutischen Weg.

Diese Klinik mit ihrer transkulturellen Abteilung ist etwas ganz Besonderes.

Poyraz Dogan
Ehemaliger Patient

Behandlungsschwerpunkte

Affektive Störungen

Affektive Störungen sind Störungen der persönlichen Stimmung und des inneren Antriebs. Dazu gehören:
·        Depressionen und Burnout
·        Antriebsverlust
·        gedrückte Stimmung
·        gefühlte Überforderung
·        plötzliche Euphorie
·        bipolare Störungen (Wechsel zwischen Depression und Manie)

In der türkischen Sprache gibt es dafür andere Begriffe: Sikinti, Windschmerzen, Wanderschmerzen oder »eine brennende Leber«. Oft treten all diese Störungen in Phasen auf. Manche Patienten erleben auch einen plötzlichen Wechsel aus einem Stimmungstief in eine Euphorie.

Woran erkennt man eine affektive Störung?
Eine Diagnose ist nicht einfach, denn die Anzeichen sind vielfältig. Achten Sie z. B. auf:
·        Stimmungstiefs
·        Antriebsarmut
·        Konzentrations- und Aufmerksamkeitsminderungen
·        Störungen des Selbstwertgefühls und des Selbstvertrauens
·        Schuldgefühle
·        Schlafstörungen
·        Zukunftsängste

Diese seelischen Probleme führen oft zu körperlichen Beschwerden wie Rücken- oder andere Schmerzen. Diese Schmerzen sind oft das Einzige, was unsere türkischen Patienten schildern können. Sie klagen über Leberschmerzen oder eine »große Leber«, über einen Nabelfall oder einen verschobenen Nabel, über eine Kopferkältung, ein enges Herz, Schwächeanfälle und Ähnliches. Unsere Experten wissen, wie sie diese Begriffe verstehen müssen.
Affektive Störungen sollten durch eine psychosomatische Therapie unbedingt behandelt werden. In schweren Fällen können sie in einer Depression oder auch in einem Suizid enden.

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Angst- und Zwangsstörungen

Ängste sind völlig normal und sogar lebensnotwendig. Sie können aber auch so stark werden, dass sie unser Leben bestimmen. Angst- und Panikstörungen schränken den Lebensraum der Betroffenen ein, sodass sie ihren Alltag oft nicht mehr bewältigen können. Unsere türkischen Patienten sprechen von Karabasan, Albdruck, erleiden Schwächeanfälle, oder meinen, sie hätten sich den Kopf erkältet. Sie erleben diese Ängste als unerträgliche Last: Sie sprechen nicht mehr mit Nachbarn, gehen nicht mehr zu Feiern und können ihren täglichen Verpflichtungen oder ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. Viele Betroffene verlassen die Wohnung nicht mehr. Das führt häufig zu weiteren psychosomatischen Störungen.
Zu den eigenständigen Angststörungen zählen im Wesentlichen:
·        Panikstörungen
·        generalisierte Angststörung
·        Phobien
·        soziale Phobien (Spezialfall)

Panikstörungen kommen meist überfallartig. Sie können starke körperliche Symptome auslösen, die oft sogar notfallmedizinische Einsätze nach sich ziehen. Allerdings kann der Notarzt keine körperlichen Ursachen erkennen oder behandeln.
Bei generalisierten Ängsten schwebt der Patient ständig in Sorge und Angst hinsichtlich ganz alltäglicher Lebensgegebenheiten. Die Ängste bestimmen seinen Alltag und der Betroffene kann diesen Ängsten nirgends entfliehen.
Phobien sind objektbezogen. Man hat also bspw. Angst vor Spinnen, Schlangen oder Dunkelheit. Meist kann der Betroffene mit einer speziellen Phobie, wie z. B. einer Tierphobie, gut leben.
Soziale Phobien hingegen führen dazu, dass der Betroffene bestimmte soziale Situationen fürchtet oder gar meidet und sich dadurch immer mehr zurückzieht. Eine stationäre Behandlung wird immer dann nötig, wenn die resultierenden Einschränkungen für den Patienten sehr groß sind. In der MEDICLIN Klinik am Vogelsang steht Ihnen eine sehr gute psychosomatische Therapie zur Verfügung. Vielen Betroffenen können wir gezielt helfen.

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Somatoforme Störungen

Druck in der Brust, Engegefühl im Hals, Magendrücken, Kurzatmigkeit, »ein Bauch wie ein Stein« - viele türkische und kurdische Migranten kennen solche Begriffe. Ein Hausarzt kann bei diesen kulturspezifischen Beschreibungen oft nichts finden. Die Beschwerden bleiben und die Betroffenen zieht es in einen Teufelskreis. Sie konzentrieren sich auf die Beschwerden, gehen erneut zum Arzt und erhalten abermals keine Diagnose. Die daraus resultierenden Störungen nennt man funktionelle oder somatoforme Störungen. Sie sind sehr vielfältig und müssen vor allem von den »echten« körperlichen Beschwerden abgegrenzt werden. Eine häufige Form dieser psychisch bedingten Störungen sind psychosomatische Schmerzerkrankungen. Im Gegensatz zu den Schmerzen, die als Warnfunktion bei einer Verletzung oder organischen Erkrankung dienen, haben sich psychosomatische Schmerzen verselbständigt. Sie führen zu Ängsten oder depressiven Zuständen. Diese wiederum verstärken das Schmerzempfinden. Ganz oft empfinden Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen Schmerzen in Form von Kopf-, Glieder-, Rücken- oder Bauchschmerzen.

In der türkischen Sprache gibt es dafür viele Beschreibungen. Die Betroffenen wissen oft nicht, dass die Ursache der Schmerzen psychisch bedingt ist. Sie sagen:
· »Mein Inneres brennt.«
· »Meine Lunge ist zerfetzt.«
· »Meine Leber blutet.«
· »Mein Herz ist ganz eng.«

Mit solchen Formulierungen versuchen unsere türkischen Patienten ihre Krankheit zu beschreiben. Sie wissen, dass etwas nicht stimmt, kennen aber kein genaues Wort dafür. Wir verstehen diese Metaphern und konzentrieren uns darauf, die Ursachen in der psychosomatischen Therapie zu erkennen und zu behandeln.

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Traumafolgestörungen

Ein Trauma ist ein Ereignis, welches einen Menschen aus dem seelischen Gleichgewicht bringt. Man steht z. B. aufgrund eines Unfalls oder des Verlustes eines Angehörigen unter Schock. Ein Kriegserlebnis, Übergriffe während einer Flucht vor Kriegshandlung oder psychische Grausamkeit, wie z. B. bei fortgesetztem Mobbing, können ebenso zu einem Trauma führen.
Nicht immer ist der Auslöser eines Traumas klar erkennbar. Gerade Migranten und Flüchtlinge haben oft einschneidende Ereignisse erlebt, die langfristige Folgen haben können. Diese zeigen sich manchmal erst nach vielen Jahren und sind äußerst vielfältig. Traumafolgen sind z. B.:
·        Ängste
·        soziale Phobien
·        Wutanfälle
·        emotionales Betäubtsein
·        Scham- und Schuldgefühle

All diese Störungen können auch andere Ursachen haben. Deshalb ist es besonders wichtig, das auslösende Ereignis zu erkennen. Wir helfen den Betroffenen mit psychotherapeutischen Maßnahmen. Diese kombinieren wir mit dem Erlernen von Entspannungstechniken und dem Selbstmanagement zur emotionalen Regulation. Unter unserer Anleitung stellen sich die Patienten Schritt für Schritt der traumaauslösenden Situation. So lernen sie, mit der erheblichen emotionalen Anspannung umzugehen. Ziel ist es, dem Erlebnis seine alles beherrschende Macht über die Seele zu nehmen. Gerade auf diesem Gebiet der psychosomatischen Therapie besitzt das Team um Prof. Kizilhan eine umfangreiche Expertise.

Perihan Bulut: »Hier lerne ich wieder zu leben!«

Wir können Ihnen mit einer gezielten Rehabilitation in vielen Fällen helfen. Hinweise, Informationen zur Rehabilitation und deren Beantragung sowie die erforderlichen Formulare haben wir für Sie auf einer speziellen Seite zusammengestellt.

Kontakt

Sie haben noch Fragen zur psychosomatischen Therapie in der MEDICLIN Klinik am Vogelsang oder benötigen weitere Informationen? Rufen Sie mich werktags zwischen 7:30 und 16:30 an oder schreiben Sie mir eine E-Mail.

Mona Kizilhan
Verwaltungsleitung Transkulturelle Psychosomatik

07 71 - 85 16 13
mona.kizilhan@mediclin.de

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