Prof. Kizilhan im SWR: „Es gibt noch viel zu tun gegen das Leid der Jesidinnen"

Professor Kizilhan spricht im Fernsehinterview im SRW- aktuell Baden-Württemberg am 15.8.2020 über die aktuelle Situation der Jesidinnen, die seit 5 Jahren in Baden-Württemberg leben, sowie über die Lage in den Camps im Nordirak. In den Flüchtlingscamps kommen immer noch Frauen aus IS-Gefangenschaft an. Viele Frauen leiden teilweise unter schweren Traumastörungen und psychischen oder körperlichen Erkrankungen.

„Wir haben neuerdings auch viele Frauen, die durch die Vergewaltigung Kinder bekommen haben. Dies ist ein großes Problem, da die irakische Regierung und die Jesiden die Kinder ablehnen und sich weigern, diese aufzunehmen. Weder der Irak noch die Jesiden haben ein Konzept, wie die Kinder und deren Mütter in die Gemeinschaft aufgenommen werden“, sagt Kizilhan. Die Mütter würden aufgefordert, allein in den Irak zu kommen, was eine große Tragödie sei.


Zum Interview in der SWR-Mediathek.

Gerechtigkeit und Trauma-Behandlung: Prof. Kizilhan erläutert Zusammenhänge

Der Artikel „The Significance of Justice in the Psychotherapeutic Treatment of Traumatized People After War and Crises“, den Professor Kizilhan gemeinsam mit Johanna Neumann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Transkulturelle Gesundheitsforschung der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, veröffentlicht hat, behandelt den Zusammenhang von Gerechtigkeit und Trauma-Behandlung.

 „Es ist für mich ein besonders wichtiger wissenschaftlicher Beitrag, da wir in diesem Bereich ‚Gerechtigkeit und Trauma Behandlung nach Kriegen und Genoziden‘ eine wichtige Pionierarbeit leisten konnten“, erklärt Professor Kizilhan.

Zum Frontiers in Psychiatry Open-Access Artikel

Kulturspezifische Traumatherapie im Nordirak

Der WDR berichtet in einer ausführlichen Multimedia-Reportage „Weg aus dem Trauma“ über die kulturspezifische Arbeit von Professor Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan mit traumatisierten Überlebenden im Nordirak. Psychotherapeuten aus der Region, die an der Universität Dohuk am Institut für Psychotherapie und Psychotraumatologie ihr Masterstudium absolvieren, unterstützen Professor Kizilhan vor Ort. Professor Kizilhan gründete das Institut 2017 mit dem Ziel, Fachkräfte zu qualifizieren, die Geflüchtete und Betroffene von Krieg und Gewalt kultursensibel versorgen können.

Zur WDR-Reportage

Online-Seminar: Psychosoziale Belastungen durch COVID-19 bei MigrantInnen und Geflüchteten Rückblick auf das Seminar vom 1. Juli 2020

Die MEDICLIN Klinik am Vogelsang in Donaueschingen veranstaltete in Kooperation mit dem Institut für Transkulturelle Gesundheitsforschung (ITG) der DHBW Villingen-Schwenningen am 1. Juli 2020 ein Online-Seminar, bei dem vor allem die psychischen, aber auch physischen Auswirkungen des Coronavirus diskutiert wurden.

Rund 120 Teilnehmende erhielten Einblicke in derzeit laufende oder kürzlich abgeschlossene, zum Teil auch internationale Studien zur Corona-Pandemie. Eine Perspektive richtete sich explizit auf Migrant*innen und Geflüchtete, die – häufig bereits traumatisiert – in der aktuellen Situation eine Re-Traumatisierung erfahren. „Die Corona-Pandemie kann zu einer erheblichen psychischen Belastung führen, die bei einigen Menschen in der Folge Depressionen, Ängste oder psychosomatische Beschwerden auslösen kann“, erklärte Professor Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan, Direktor am Institut für Transkulturelle Gesundheitsforschung (ITG) und Leiter der Abteilung Transkulturelle Psychosomatik an der MEDICLIN Klinik am Vogelsang.

Zur Begrüßung sagte Carmen Weller, Chefärztin der MEDICLIN Klinik am Vogelsang und des Zentrums für psychische Gesundheit in Donaueschingen: „Wir sehen uns mit einer weltweiten Problematik konfrontiert, deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit des Einzelnen noch gar nicht abschätzbar ist. Umso mehr freuen wir uns, dass gemeinsam mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg eine web-basierte Veranstaltung geschaffen wurde, die es uns ermöglicht, sogar über die Grenzen des Bundesgebiets hinaus mit Interessierten aus verschiedenen Fachgebieten in Dialog zu treten.“

  • Professor Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan, Direktor des Instituts für Transkulturelle Gesundheitsforschung (ITG) und Leiter der Abteilung Transkulturelle Psychosomatik an der MEDICLIN Klinik am Vogelsang in Donaueschingen, referierte in seinen Vorträgen über die psychischen Spuren, die das Corona-Virus hinterlässt. Diese können zu einer erheblichen psychischen Belastung führen, die bei einigen Menschen in der Folge Depressionen, Ängste oder psychosomatische Beschwerden auslösen kann. Bei Traumatisierten verstärken sich häufig  die Symptome.
  • Claudia Klett, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am ITG, sprach über die unterschiedlichen Formen und Risikofaktoren familialer Gewalt während der Corona-Pandemie. Besonders Kinder, als die Schwächsten der Gesellschaft, tragen das größte Risiko, Gewalt zu erfahren. Wichtige Bereiche professioneller Unterstützungsangebote und Ansätze für Gewaltprävention zeigte Klett auf.
  • Johanna Neumann, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am ITG, stellte die Informations-und Beratungsplattform „psychisch-sozial-und-gesund“ zum psychosozialen Umgang mit COVID-19 vor sowie die an diese Plattform anknüpfende wissenschaftliche Umfrage zu psychosozialen Stressoren. An der Umfrage, die über einen Zeitraum von 2 Monaten erhoben wurde, haben sich 373 Personen beteiligt.
  • Cornelia Schlegel, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am ITG, erläuterte das System der Online-Plattform „Kollegiale Beratung in Zeiten der Pandemie“. Das Forschungsprojekt ist besonders in Problemlagen wie in der aktuellen Corona-Krise eine Plattform, bei der berufsbezogene Fälle im Gruppenmodus systematisch und ergebnisorientiert reflektiert werden können.

Nach der Diskussion und den Fragen der Teilnehmenden bedankte sich Prof. Kizilhan und sagte, dass „auch im Arbeitsalltag viele Fragen offen sind: Wie gehe ich als Fachkraft mit Personen um, die sich aufgrund der Corona-Pandemie gänzlich zurückziehen, Ängste entwickeln oder in eine Depression verfallen? Wie erkennt man rechtzeitig Gefahrensituationen in Familien und welche Möglichkeiten bieten sich, Maßnahmen zu ergreifen? Wie kann der Stigmatisierung an COVID-19 erkrankten Personen vorgebeugt werden?“ Mit all diesen Fragen in Verbindung mit der Corona-Pandemie  möchte sich das Team um Prof. Kizilhan an der DHBW und der MEDICLIN Klinik weiterhin beschäftigen. Er lud die Teilnehmenden ein, über die geschaffene Plattform im Austausch zu bleiben.

Chefärztin Carmen Weller bedankte sich für die gelungene Veranstaltung und die Kooperation mit der DHBW und teilte mit, „dass sich die MEDICLIN Klinik weiterhin mit den psychischen Auswirkungen des COVID-19“ beschäftigen werde.

Die Präsentationen finden Sie auf der Internetseite der DHBW.

Studie: Wie sich traumatische Kriegserlebnisse auf die Psyche auswirken

Eine Forschergruppe um Prof. Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan untersucht am Beispiel jesidischer Überlebender des IS-Genozids im Jahr 2014, wie sich traumatische Kriegserlebnisse auf die Psyche auswirken. Die Wissenschaftler analysieren die psychischen Folgen von Gefangenschaft, Versklavung, sexuellem Missbrauch und anderen traumatischen Ereignissen. Fast alle Frauen waren zum Zeitpunkt der Studie stark psychisch belastet. Die Untersuchung spricht unter anderem dafür, dass PTBS und Depression sich in ihrer Erscheinungsweise kulturell unterscheiden. In der Open-Access-Fachzeitschrift „BMC Psychiatry“ veröffentlicht die Gruppe nun die Ergebnisse.

Zum Open-Access Artikel

4. Forum Migration&Mental Health abgesagt

Leider müssen wir unser 4. Forum Migration&Mental  Health zum Thema „Traumatherapeutische Ansätze bei der Behandlung von Menschen mit Migrationshintergrund“ am 17. Juni 2020 absagen.

Ein konkreter Zeitpunkt für Lockerungen bezüglich Veranstaltungen seitens der Bundes- und Landesregierung ist derzeit nicht abschätzbar. Zur Eindämmung und Verbreitung des Coronavirus und zum Schutz unserer aller Gesundheit werden wir in diesem Jahr keinen neuen Termin anbieten. Wir bitten Sie um Ihr Verständnis für diese Vorsichtsmaßnahmen.

Selbstverständlich werden wir Sie rechtzeitig über einen Termin in 2021 informieren und freuen uns, wenn es Ihnen möglich ist, teilzunehmen.

Kontakt

Sie haben noch Fragen an die MediClin Klinik am Vogelsang oder benötigen weitere Informationen? Rufen Sie mich werktags zwischen 7:30 und 16:30 an oder schreiben Sie mir eine E-Mail.

Mona Kizilhan
Verwaltungsleitung Transkulturelle Psychosomatik

07 71 - 85 16 13
mona.kizilhan@mediclin.de

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