Auszeichnung für herausragende Verdienste in Forschung und humanitärer Arbeit
Am 21.03.2025 erhielt Professor Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan für seine herausragenden Verdienste in Forschung und humanitärer Arbeit auf dem Gebiet der Psychotraumatologie das Bundesverdienstkreuz am Bande. Sein Engagement richtet sich vor allem an Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten, darunter auch jesidische Frauen und Mädchen. Die Würdigung honoriert seine besonderen Leistungen in Therapie, Forschung und Ausbildung.
Transkulturelle Psychosomatik und Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW)
Als Leiter der Abteilung Transkulturelle Psychosomatik an der MEDICLIN Klinik am Vogelsang in Donaueschingen setzt sich Kizilhan mit seinem transkulturellen Team für Menschen ein, die aus anderen Ländern und Kulturen nach Deutschland übergesiedelt sind und u.a. an seelischen Belastungen und Depressionen leiden. Der vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler ist seit 2013 an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) tätig und leitet seit 2018 das Institut für Transkulturelle Gesundheitsforschung in Stuttgart. An der Universität Dohuk im Nordirak baute er gemeinsam mit seinem Team ein Institut für Psychotherapie und Psychotraumatologie auf und setzt sich für den Aufbau lokaler Strukturen ein, um traumatisierten Menschen nachhaltige Hilfe zu bieten.
Laudatio von Außenministerin Annalena Baerbock
In einer sehr persönlichen Rede ging Laudatorin Annalena Baerbock unter anderem auf Kizilhans herausragendes Engagement in der psychologischen Betreuung traumatisierter jesidischer Überlebender ein. So habe er eine Schlüsselrolle im Landesaufnahmeprogramm Baden-Württemberg gespielt und mit seiner Expertise und interkulturellen Kompetenz auch ein Institut für Psychotherapie an der Universität Dohuk im Nordirak gegründet. Mit seiner Arbeit, u. a. auch als Leiter des Instituts für Transkulturelle Gesundheitsforschung an der DHBW, helfe Kizilhan den Opfern und stärke gleichzeitig ganze Gesellschaften.
Mit deiner Expertise und deinen wissenschaftlichen Kenntnissen, mit deiner Empathie, mit deiner Menschlichkeit und ja, mit deinem Mut, um einzustehen für andere, um Dinge zum Besseren zu wenden habe Kizilhan zahlreichen Menschen geholfen. Dafür wirst Du heute ausgezeichnet. Für diesen Mut, diese Entschlossenheit und die tiefe Menschlichkeit, sagte Baerbock in ihrer Laudatio. Die gesamte Laudatio gibt es hier.
Traumatisierte Menschen unterstützen
Kriege und Krisen hinterlassen tiefe Spuren – nicht nur bei einzelnen Personen, sondern in ganzen Gesellschaften. Die Auszeichnung für Professor Kizilhan unterstreicht, wie wichtig es ist, Forschung und politisches Engagement weiter zu stärken, um traumatisierten Menschen in Deutschland und weltweit beizustehen.
Diese Auszeichnung bedeutet für mich weit mehr als eine persönliche Ehrung. Sie ist eine Anerkennung meiner Arbeit auf dem Gebiet der Psychotraumatologie und der konkreten Unterstützung von tausenden Überlebenden von Genoziden, Krieg und Flucht. Seit vielen Jahren setze ich mich mit Leidenschaft und Überzeugung für diese Menschen ein – in der Wissenschaft, in der Therapie und in der Ausbildung zukünftiger Generationen, sagt Kizilhan.
Wissenschaftliche Erkenntnisse nutzbar machen und langfristige Strukturen schaffen
Professor Kizilhans Forschung beleuchtet die langfristigen Auswirkungen von Krieg, Flucht und Gewalt. Traumata enden nicht, wenn ein Konflikt vorbei ist; sie wirken weiter in Erinnerungen, Körpern und Familien – und können ganze Gesellschaften verändern. Zugleich zeigt seine Arbeit, dass Heilung möglich ist. Neben medizinischen Verfahren spielen kulturelle, soziale und gemeinschaftliche Faktoren eine zentrale Rolle, um Betroffene wirksam zu unterstützen. Insbesondere die ganzheitliche Kombination aus Therapie, Forschung und Ausbildung bezeichnet Kizilhan als entscheidend: „Mein größtes Anliegen ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse nutzbar zu machen und langfristige Strukturen zu schaffen. So haben unsere Absolventinnen und Absolventen nach ihrem Master begonnen, selbst zu unterrichten und das Institut in Dohuk zu leiten. Das ist der Traum eines jeden Professors: dass ehemalige Studierende zu Kolleginnen und Kollegen werden und diese Arbeit fortführen.“
Heidi Bäumgen, Geschäftsführerin der MEDICLIN Klinik am Vogelsang, sagt: „Ich gratuliere Professor Kizilhan ganz herzlich zu dieser Auszeichnung und freue mich, dass seine Arbeit so gewürdigt wird!“